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Russland: Die neue Kali-Weltmacht

04.10.2011
Florian Willershausen / Handelsblatt
Russland: Die neue Kali-Weltmacht

Nach der Übernahme des Lokalrivalen Silvinit will der Rohstoffriese Uralkali den kanadischen Branchenprimus Potash überholen.

Russlands Wachstum stützt sich zu einem Gutteil auf Güter, die unter der Erde vergraben liegen. Das müssen nicht Öl oder Gas sein. So holen in der Ural-Region, wo Geografen die Grenze zwischen Europa und Asien ziehen, 1300 Bergleute unter Regie von Igor Kaskanow stündlich über 3600 Tonnen Kali aus dem Boden. „Wir graben schon seit 1982 in diesem Bergwerk“, sagt der Chef von Grube vier stolz, „die Vorräte reichen noch für weitere 70 Jahre.“

In Kaskanows Schacht vier lagert nur ein Bruchteil jener Kalivorräte, die rund um die Siedlung Beresniki im Norden der Ural-Stadt Perm konzentriert sind. Die Förderlizenz liegt bei Uralkali. Das Unternehmen ist mit der Übernahme des Lokalrivalen Silvinit im Juni zum weltweit zweitgrößten Kaliproduzenten nach demkanadischen Potash-Konzern aufgestiegen.

Den Kasseler Konzern K+S hat Uralkali im Mineraldünger-Sektor nach Kapazität schon überholt. Nun setzt CEO Wladislaw Baumgärtner zum nächsten Sprung an: „Wir hoffen, dass wir in kurzer Zeit weltgrößter Kalihersteller sein werden.“ Mit der Übernahme von Silvinit und der Erhöhung der Produktionskapazität von elf auf 13 Millionen Tonnen bis 2012 schmilzt der Abstand zum Branchenprimus Potash.

Baumgärtner rechnet bis Ende des Jahres mit einem Tonnenpreis von rund 600 Dollar, fast doppelt so viel wie im Krisenjahr 2009. Die Salze aus dem Ural-Gebiet werden zu Kaliumchlorid und Magnesiumsulfat verarbeitet und vonder Landwirtschaft als Düngemittel benötigt. In Anbetracht des globalen Wachstums in der Agrarbranche ist die Kaliförderung ein lukratives Geschäft. In Russland lagern die weltweit zweitgrößten Vorräte. Größter Kunde Uralkalis ist China; mehr als ein Fünftel der Düngemittel werden per Bahn und Schiff ins Reich der Mitte geliefert. Insgesamt landen 54 Prozent des Produktionsvolumens im asiatischen Raum. Vor allem in Indien wächst der Bedarf.

Das alte Europa könnten die Russen bald über den Konzern Belaruskali bedienen, bei dem Baumgärtner die Mehrheit übernehmen will. Der Einstieg scheitert bisher an Preisvorstellungen der Regierung. Doch Weißrussland leidet an massivenwirtschaftlichen Problemen, so dass der Verkauf des Förderers bald unausweichlich sein wird. Bis dahin will der fusionierte Kali-Riese, der in diesem Jahr auf einen Gesamtumsatz von vier Milliarden Dollar kommen dürfte, vor allem in den profitablen Schwellenländern wachsen.

Ein Selbstläufer ist das indes nicht, weiß auch Jewgenij Kotljar, der als Mitglied des Vorstands das operative Geschäft in Beresniki verantwortet. „Der größte Risikofaktor ist die Natur“, erzählt der Ingenieur. Uralkali musste in seiner Firmengeschichte schon zwei Gruben aufgeben, da Wasser eingedrungen war: 1984 eroberte sich die Natur Block drei zurück, im Oktober 2006 lief Schacht eins voll Wasser.

Vizepremier Igor Setschin verdonnerte Uralkali zu einer Entschädigung von knapp 300 Millionen Dollar. Die Grubenkatastrophen sind mit ein Grund, warum Oligarch Suleiman Kerimow als Großaktionär beider Unternehmen die Fusion vonUralkali und Silvinit vorantrieb.

Selbst wenn die Natur mitspielt, ist die Kaliförderung reich an Risiken. Aktuell prüft Uralkali in Beresniki die Exploration eines neuen Bergwerks, wo jährlich 2,5 Millionen Tonnen gefördert werden können. Ab 2018 soll dort gebuddelt werden. Doch vorher muss Uralkali rund zweieinhalb Milliarden Dollar investieren, schätzt Vorstand Kotljar. Die Crux sind die zum Teil stark schwankenden Preise. „Allein um die Infrastruktur unter Tage zu graben, brauchen wir vier bis fünf Jahre“, so Kotljar. Wer weiß, ob sich die Investition dann noch rentiert.

Und noch weitere Investitionen sind nötig. Beim Streifzug durch die Fabriken, die Kali zu Dünger verarbeiten, fällt gewaltiger Modernisierungsbedarf auf: In manch einer Fabrik können westliche Besucher DDR-Maschinen aus dem Jahr 1968 bestaunen. Erst nach und nach zieht High Tech in die oberirdischen Hallen der einstigen Sowjet- Kombinate ein. Anders als Wettbewerber wie Potash oder die deutsche K+S, die im Düngemittel-Sektor unterschiedliche Produkte mit geschützten Markennamen anbieten, holen die Russen einfach nur Kali aus dem Boden und machen es zu Dünger. So wie das immer schon war.

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