Dünger für Europa aus den Tiefen des Urals

Dünger für Europa aus den Tiefen des Urals

Russische Firma ist zum zweitgrößten Kalidünger-Produzenten der Welt aufgestiegen. Mit Kapazitäten, die längst nicht erschöpft sind

Kalt ist es 440 Meter unter der Erde. Oben braust der Wind über die Felder des Uralgebirges, hier unten windet sich ein steter, beißender Luftzug an den gerippten Wänden des Bergwerkstollens entlang. Ausgehend von Mine Nummer vier legt er 900 Kilometer in den Tunnelgängen zurück. Gleitet über die holprigen Verbindungswege und wirbelt einem salzigen Staub ins Gesicht. Nur in der äußersten Sackgasse der Stollen verstummt sein Pfeifen, übertönt von der Schnittmaschine, die hier den Ton angibt und bis zu sieben Tonnen Gestein pro Minute aus der Kalisalzlagerstätte fräst. Woran denkt man hier, wenn man acht Stunden lang nichts anderes als eine rötliche Steinschicht im Halbdunkel sieht? „Ans Geld!“, sagt Maschinenführer Sergej schlagfertig: „Aber du hast nicht viel Zeit zum Träumen, weil immer unvorhergesehene Situationen zu meistern sind. Träumen musst du am Wochenende – und dich erholen.“

Sergej ist einer von 12 000 Mitarbeitern des russischen Kalidüngerproduzenten Uralkali. Seit der Übernahme des Konkurrenten „Silvinit“ im Mai zählt das Unternehmen an die 25 000 Beschäftigte. Durch die Fusion wurde wirtschaftlich verbunden, was geologisch seit jeher eine Einheit bildet: Beide sitzen auf der Lagerstätte „Verchnekamskoje“, der zweitgrößten Kaliumansammlung ihrer Art in der Welt.

Kalium ist der Rohstoff zur Produktion von Düngemitteln. Und fast 3,8 Mrd. Tonnen davon liegen in den Minen rund drei Autostunden südlich der Uralstadt Perm. Mit den derzeitigen Produktionskapazitäten kann Uralkali daraus jedes Jahr etwa elf Mio. Tonnen von dem Dünger Kaliumchlorid gewinnen. Nur der kanadische Konzern Potash Corp. of Saskatchewan schafft mehr. Der deutsche Dax-Konzern K+S, Marktführer in Europa, liegt auf Platz fünf.

Kali ist neben Stickstoff und Phosphat einer der Hauptbestandteile von Düngemitteln für die Landwirtschaft. Zuletzt erlebte die Branche einen wahren Boom: Durch die wachsende Nachfrage nach Lebensmitteln und Biospritstoffen zogen die Kalipreise wieder kräftig an. Zu Beginn der Finanzkrise waren sie von 1000 Dollar auf 350 Dollar je Tonne eingebrochen, den aktuellen Prognosen zufolge sollen sie zum Jahresende wieder 600 Dollar je Tonne erreichen. Die Produktionskapazitäten bei den Düngemittelherstellern sind ausgelastet wie schon lange nicht. Uralkali, das den Großteil seiner Produkte exportiert, sieht den Markt 2011 auf ein Volumen von 58 bis 59 Mio. Tonnen kommen. Sein deutscher Konkurrent K+S geht davon aus, dass der globale Kali-Absatz künftig um etwa drei bis fünf Prozent pro Jahr wächst.

Genügend Anreiz also für die Hersteller, ihre Produktionskapazitäten schleunigst auszubauen und im internationalen Wettbewerb die Nase noch weiter nach vorn zu bekommen. Uralkali will schon bis Ende des kommenden Jahres allein durch Sofortmaßnahmen wie die Modernisierung veralteter Förder- und Verarbeitungsanlagen seine Produktionskapazität auf 13 Mio. Tonnen erhöhen. „Wir hoffen, dass wir kurzfristig zur Nummer eins aufsteigen“, sagt Uralkali- Vorstandschef Vladislav Baumgertner. Ab 2018 sollen durch den Bau einer neuen Produktionsstätte am Ural noch zusätzlich 2,5 Mio. Tonnen pro Jahr hergestellt werden.

Ein Blick in die Verarbeitungsfabriken lehrt, wo die aktuellen Engpässe bestehen. Das Kristallisationswerk neben Mine vier, in dem der 30-prozentige Kaliumgehalt aus dem abgebauten Stein herausgelöst und kristallisiert wird, läuft derzeit nur mit halber Auslastung: Die zweite Produktionslinie wird erneuert und geht erst 2012 wieder in Betrieb. Im 30 Kilometer entfernten Granulationswerk schaffen die alten DDR-Kompressoren gerade mal ein Fünftel an Output moderner Anlagen, hingegen ein Vielfaches an Staub und Lärm. Wie Schneeverwehungen hüllt der Kaliumstaub Boden und Wände in eintöniges Weiß. „In fünf bis sechs Jahren wird hier alles ausgetauscht sein“, erklärt Granulationschef Anatoli Berezin.

Wie in vielen ehemaligen Sowjetbetrieben, so hatten es die Direktoren auch in den Kaliumwerken am Ural, wo seit 1932 gefördert wird, mit Neuerungen nicht besonders eilig. Das betrifft auch die Sicherheit. Schon zweimal wurden Grubenanlagen geflutet, zuletzt 2006 die Mine Nummer eins, die sich unter der Provinzstadt Berezniki erstreckt und Bodenabsenkungen hervorgerufen hat. 220 Mio. Euro hat Uralkali für die Umsiedlung von Einwohnern der betroffenen Gebiete und eine neue Eisenbahnstrecke gezahlt. Mitte September schließlich lenkte auch ein regionaler Stromproduzent ein und gab sich mit 12,5 Mio. Euro Schadenersatz zufrieden. „Ein gewisses Risiko besteht in den wasserlöslichen Salzschichten immer“, gibt sich Produktionschef Jewgeni Kotlyar realistisch. Durch neue Methoden bis hin zur Satellitenüberwachung habe das Unternehmen die Wahrscheinlichkeit neuer Flutungen inzwischen aber reduziert.

Es liest sich wie als Ironie der Geschichte, dass mit Suleiman Kerimov gerade jener Mann die Modernisierung vorantreiben soll, der bisher eher als Zocker bekannt war. Gemeinsam mit zwei weiteren Milliardären hat der 45-jährige Oligarch aus der nordkaukasischen Unruheprovinz Dagestan im Vorjahr die Mehrheit an Uralkali übernommen und die Fusion mit Silvinit erwirkt. Vor der Krise hatte er ein Vermögen damit verdient, dass er seine mit Krediten gekauften Aktien an der Sberbank und an Gazprom rechtzeitig verkauft hatte. Heute verdient Kerimov nicht nur als Großaktionär bei Russlands größtem Goldschürfer „Polyus Gold“ prächtig. Er macht auch bei Uralkali längst gutes Geld.

Mit den Halbjahreszahlen hat Uralkali nämlich die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Die ersten gemeinsamen Kennzahlen nach der Fusion mit Silvinit ergeben einen Gewinn von 794 Mio. Dollar (575 Mio. Euro). Uralkali hat im ersten Halbjahr 5,28 Mio. Tonnen verkauft. Umgehend änderten die Besitzer daher die Dividendenpolitik und legten fest, mindestens die Hälfte des Gewinnes auszuzahlen. Dennoch läuft bei weitem nicht alles so rund, wie die Zahlen vermuten lassen. Im September ist das Unternehmen an der russischen Börse stärker gefallen als der Leitindex. Fast ein Drittel seines Marktwertes hat es verloren auf nur noch 21,4 Mrd. Dollar. Experten führen dies darauf zurück, dass einer der Vorbesitzer seine restlichen Aktien abstößt und zudem in den USA die Getreidevorräte langsamer schwinden als erwartet – eine Nachricht, die in der Vorwoche allen Düngemittelproduzenten zugesetzt hat.

Und auch bei den Akquisitionen im Ausland erlitt Uralkali einen Rückschlag. Die Russen hatten ein Auge auf den staatlichen weißrussischen Konzern Belaruskali geworfen, die weltweite Nummer drei. Weißrussland ist finanziell schwer angeschlagen und braucht dringend Geld. Dennoch blockierte Weißrusslands Diktator Alexandr Lukaschenko vorerst den Verkauf. Eigenmächtig bewertete er Belaruskali mit 30 Mrd. Dollar – um 50 Prozent höher als die Schätzungen durch Investmentbanken.

Umso mehr freut die Führung von Uralkali sich darüber, dass die EU – wohin das Unternehmen bislang nur einen Bruchteil seiner Produkte lieferte – nach 20 Jahren ihre Handelsbarrieren für Düngemittelimporte beseitigt hat. Bis dahin war russisches Kali mit Anti-Dumpingzöllen von bis zu 27,5 Prozent belegt. Nun werden nur noch die Standardzölle erhoben. Gegen den Widerstand der europäischen Kaliproduzenten hatte die EU dem Drängen der Landwirte nachgegeben, um Schlüsselrohstoffe aus aller Welt zu wettbewerbsfähigsten Preisen beziehen zu können.

Und gerade bei den Preisen können die Russen punkten. Durch die Fusion erwarten sie Einsparungen von jährlich 100 Mio. Dollar ab 2013. Auch die Arbeitskosten sollen so lange wie möglich klein gehalten werden. Nein, er sei nicht unzufrieden, sagt Maschinenführer Sergej zu seinem Lohn. Die Summen, die er am Monatsende nach Hause bringt, sind sehr unterschiedlich und hängen davon ab, welche Mengen seine Arbeitstruppe aus der Kalisalzlagerstätte fräst. Um vom Geld zu träumen, hat Sergej ohnehin nur am Wochenende Zeit.

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Московское представительство ПАО «Уралкалий».

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